Martin-Lehnert-Preisträgerin Valentina Finger (2024)
Valentina Finger erhielt 2024 den Martin-Lehnert-Preis für ihre hervorragende Dissertation mit dem Titel „Specular Stages of Shakespeare and Beyond: Mirrors in Early Modern English Plays and Playhouses“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Eine angepasste Version ist im Februar 2026 bei Bloomsbury Arden Shakespeare unter dem Titel Mirrors in Shakespeare and Early Modern English Drama: Power, Gender and the Magic of the Theatre erschienen. Seit 2021 co-organisiert Valentina Finger die Shakespeare Academy und ist seit 2026 Mitglied des Vorstands der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft.
Valentina Finger schreibt zu der Ehrung: „Den Martin-Lehnert-Preis habe ich dankbar als Bestätigung entgegennehmen dürfen, dass all die gezerrten Nerven und schlaflosen Nächte, die – nebst vieler positiver Momente voller Erkundungsdrang und Entdeckungsfreude – in die Erstellung dieser Arbeit geflossen sind, es wert waren, da am Ende scheinbar etwas Vorzeigbares dabei herausgekommen ist. Dass mir diese Anerkennung gerade durch die Deutschen Shakespeare-Gesellschaft entgegengebracht wurde, die mich von Anfang meiner Mitgliedschaft an kollegial aufgenommen hat und für deren Zwecke ich mich seither ungebrochen gerne engagiere, bedeutet mir besonders viel.“

Abstract:
Als ich meine Dissertation 2023 an der Ludwig-Maximilians-Universität eingereicht habe, trug sie den Titel „Specular Stages of Shakespeare and Beyond: Mirrors in Early Modern English Plays and Playhouses“. Eine angepasste Version davon ist im Februar 2026 bei Bloomsbury Arden Shakespeare erschienen, unter dem neuen Titel Mirrors in Shakespeare and Early Modern English Drama: Power, Gender and the Magic of the Theatre. Wie beide Titel verraten, befasst sich meine Arbeit mit Spiegeln im Theater des frühneuzeitlichen Englands, in ausgewählten Shakespeare-Dramen sowie bei weiteren elisabethanischen und jakobäischen Bühnenautoren. Gefragt wird dabei, in welchem Verhältnis die Rolle von Spiegeln in den playhouses zur frühneuzeitlichen (Theater-)Kultur steht. Eine zentrale Grundannahme der Arbeit ist, dass Spiegel auf frühneuzeitlichen Theaterbühnen in der Tat wie Spiegel funktionieren. Gemeint ist damit, dass sie die Bilder, die sie hervorrufen, sowohl reflektieren als auch umkehren. So wie die Metapher vom Theater als Spiegel keine rein mimetische Abbildung, sondern ein Spiegel-Vorhalten meint, sind auch die hier untersuchten Spiegel Teil eines Reflexionsprozesses, der nicht nachahmt, sondern zum Nachdenken anregt. Die Spiegelrhetorik und die Spiegelszenen in den behandelten Dramen evozieren Kontexte, Klischees und Bilder, mit denen Zuschauende jener Zeit vertraut waren. Allerdings werden gängige Annahmen und Vorstellungen mit Hilfe der Spiegel hinterfragt und herausgefordert. Auf diese Weise trägt das Theater zur Diskursbildung bei und stellt etablierte Sichtweisen in Frage. Die Beobachtungen der einzelnen Kapitel setzen sich zu der These zusammen, dass Theater und Spiegel im frühneuzeitlichen Diskurs eng miteinander verknüpft sind. Sie teilen die Fähigkeit, schwer Zugängliches sichtbar zu machen, sind zwischen den Tendenzen zur Selbstkontrolle und Selbstinszenierung positioniert und es handelt sich bei beiden im 16. Jahrhundert um neue visuelle Medien. Beide sind elementare Bestandteile der performativen und materiellen Kultur ihrer Zeit und folglich als Sinnbilder füreinander allgegenwärtig.
Bio:
Seit 2023 bin ich Postdoc und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München am Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft von Prof. Tobias Döring. Studiert habe ich zunächst Modejournalismus/Medienkommunikation an der AMD Akademie Mode und Design und anschließend Komparatistik in München und am King’s College London. Meine Promotion erfolgte 2023, woraufhin ich das Glück hatte, direkt im Anschluss in eine Habilitationsposition zu wechseln. 2025 wurde ich zur Akademischen Rätin auf Zeit ernannt. Für mein Habilitationsprojekt beschäftige ich mich mit der Signifikanz von Kleidung in utopischer Prosa-Literatur. Neben Shakespeare und dem Drama der frühen Neuzeit, umfassen meine Forschungsschwerpunkte folglich auch (Ver)Kleidungs- und Kosmetikkultur in Literatur und Gesellschaft sowie literarische Konstruktionen von Schönheit und Weiblichkeit. Ich bin Mitglied des Deutschen Anglistikverbands, der European Shakespeare Research Association und International Shakespeare Association sowie der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft. Bei der DSG bin ich seit 2021 Co-Organisatorin der Shakespeare Academy, die ich mit großem Enthusiasmus betreue. 2026 durfte ich mich außerdem über die Wahl in den DSG-Vorstand freuen. Als Vorstandsmitglied möchte ich mich für die Belange und Vernetzung des wissenschaftlichen Nachwuchses einsetzen.